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Updates

Neuigkeiten aus den Projektblogs der Starter. 

In 2 Tagen endet das Crowdfunding

Liebe Unterstützer,

in den letzten Wochen sind eine Menge sehr hilfreiche Unterstützungen eingegangen, die Deckung der Kosten beträgt jetzt schon 74 %!!!! Ich fühle mich durch diesen Prozess von Euch getragen …

Das Crowdfunding endet nun in 2 Tagen. Falls jemand vorhatte, zu spenden, aber noch nicht dazu gekommen ist, gibt es jetzt noch die letzte Gelegenheit. Und dann geht's ab in den Druck!

Alles Gute und ekstatische Grüße

Moritz

Ekstatiker unter uns

Häufig werden tiefgreifende spirituelle Erfahrungen nur religiösen Schwergewichten von dem Kaliber einer Teresa von Avila oder eines Thomas von Aquin zugetraut. Bei dem Vorhaben ekstatische Erfahrungen in der Jetztzeit zu untersuchen, bin ich einigen interessanten Individuen begegnet. Diese waren ‚normale’ Menschen, die jedoch allesamt an einer existenziellen Fragestellung in ihrem Leben arbeiteten. Und an dem einen oder anderen Moment in ihrem Leben sind sie völlig „außer sich“ geraten. Bei der Rekrutierung war es mir wichtig, mit Ekstatikern zu sprechen, deren Ekstasen nicht durch Drogen induziert waren und die nicht in einer Gruppensituation stattgefunden haben, damit die Ekstase nicht als Reaktion auf den Druckendruck zurückgeführt werden kann. Die so Interviewten kannte ich bereits im Vorfeld, habe sie über Aushänge kennengelernt oder der Kontakt wurde mir über Bekannte zugespielt. Bei diesen „Durschnittsmenschen“ finden sich narratologisch nachweisbar bedeutsame ekstatische Erfahrungen, die einen nachdrücklichen Einfluss auf Biografie und Identität hatten.
So z.B. bei Sebastian (Name geändert), dessen ekstatisches Kernerlebnis ich im Folgenden wiedergeben möchte. Sebastian wächst in einer bürgerlichen Familie als ältester von drei Geschwistern in behüteter Umgebung auf. Trotz der Geborgenheit stellen sich auch schon früh Gefühle der Fremdheit ein. Seit seiner Kinder- und Jugendzeit hat er wegen des prägenden Einflusses eines Großonkels den Traum, Architekt zu werden. Als er sechzehn Jahre alt ist, macht er auf einer kirchlichen Jugendfreizeit eine tiefgreifende Erfahrung (Pausen sind im Transkript durch eingeklammerte Ziffern gekennzeichnet).
„Also bei mir war das so, dass ich, ich war inner sonner christlichen Jugendfreizeit, irgendwie damals war ich gerade sechzehn geworden (1) geworden (1) das war so ne Freizeit in Schweden (1) und ich würd mich nicht als religiös bezeichnen aber also ich bin da einfach mitgegangen weil die die eben da so Jugendfreizeiten organisiert haben, aber war weniger interessiert an diesem (1) Christen-Zeug sag ich mal, und ähm, da war das immer so dass da, dass es Bibelstunden gab und dann die halt versucht haben darüber ins Gespräch zu kommen und (1) ähm (1) diese ganze Freizeit ging im Grunde v- vierzehn Tage und ähm ich ich weiß nicht mehr so ganz genau, also denke mal das war so mittendrin (1) vielleicht am Anfang der zweiten Woche, dass ich da ähm (1) nach ner Diskussion mit zwei Betreuern, die die ziemlich intensiv war, wos wo es eben um diesen christlichen Glauben und deren Gottesbild ging und, und meine Fragen, die eben mal wieder nicht beantwortet wurden von denen und oder immer so große Fragezeichen blieben so, wer oder was Gott ist und was das mit uns so macht (holt Luft) ähm bin ich, bin ich eben dann spazieren gegangen, ich glaub das war so nachmittags und ähm (1) war dann da innem Wald unterwegs also, war ziemlich aufgewühlt und eben so mit äh einfach noch inde- in der Vehemenz der der Diskussion, also die war, die war für mich sehr, ging mir sehr nahe und ich hab immer wieder gemerkt so „Die verstehen mich gar nicht oder ich versteh die nicht und ich hab so das Gefühl irgendwie das (1) das isso (2) ist eigentlich alles ganz anders“ und ähm irgendwie ist dann, ist dann eben diese diese Erfahrung passiert und (1) das das war dann so, dass dass ähm (3) äh also dass ich zunächst äh ähhhhh- mhh (2) also wie war das genau, also (holt Luft) (1) ähm ich ich würde sagen die war so dreigeteilt ähm eigentlich, diese Erfahrung, vielleicht auch nur zweigeteilt, äh und dieser erste Teil war, war so so n bisschen traumhaft ähm (1) da da hatte sich dann irgendwie so (1) einfach so imaginiert, da hatten sich Bilder aufgetan und ähm irgendwie so mit, mit Kirchenmauern also das war so sehr historisch alles, also es war keine (1) kein spezifischer Ort in dem Sinne, sondern irgendwie die Mauer stand für die ganze Kirchengeschichte und die ist dann, innerhalb kürzester Zeit ist das alles zusammengebrochen und (1) war dann weg, und in dem Moment ähm und das war so ein wenig der der schockierende Teil, wo dann wo dann plötzlich nichts mehr war, also also, keine Geschichte, keine, kein Jesus der vor zweitausend Jahren geboren ist, sondern da war einfach nichts mehr und das ist so nach und nach (1) ich weiß nicht wie lange das war aber es ist in dieser ersten Phase so nach und nach zerbröckelt und am Ende war nichts mehr und, da war dann irgendwie so ne Art offene Weite, und ähm (1) und dieses Zerbröckeln das da da war dann, da war dann so n Punkt auch wo, wo ich neben, neben so nem überfluteten Glücksgefühl auch so plötzlich so da stand und und und ähmm (1) jaa nach Orientierung so n bisschen gesucht habe und (1) und dann war, dann war eben diese, offene Weite, vielleicht auch so weißes Licht, aber ne wahnsinnige Klarheit und eben auch so, so ne Offenheit und ähm als fernab von diesem, von diesem Wald in dem ich war, das das waren alles irgendwie wirklich innere Prozesse und ähm, und da war dann auch noch am Anfang dieser dieser offenen Weite oder dieser, dieses weißen (2) Grundes äh aber weit- Weitengrundes ähm war dann, war dann auch noch mal so ne Bestätigung, also dass, da war nochmal dieser Link dann irgendwie zu dieser Diskussion, dass ich dass ich mit diesem Gottesbild irgendwie recht hatte also, dass das, dass das irgendwie so nicht war, wie die mir das erzählt hatten und und ähm und dann war ich in diesem Erleben und das war, ja, natürlich gigantisch also das war wirklich toll und mächtig und groß und ähm (2) ruhig, klar, still, so sehr also so Glück und Zufriedenheit, also so wirklich alles, so wie man auch immer wieder vielleicht auch hört, also tatsächlich so ähm (1) beeindruckend ähm (4) und das das war sicher dieser längere Teil, also das war, würd ich sagen der zweite Teil und weshalb ich am Anfang gesagt habe, dass da vielleicht am noch n dritter Teil war (1) is dass dass ich dann ähmm (2) als diese Erfahrung dann so zu Ende ging (1) hab ich irgendwie (2) das weiß ich nicht mehr wirklich wie das so ganz genau war aber (1) anscheinend hat hat da irgendne Stimme, ich zu mir oder Gott zu mir oder was auch immer, ne Stimme zu mir gesprochen und meinte irgendwie „Sei vorsichtig, wem Du das erzählst“ (2) und ähm, das würd ich tatsächlich mittlerweile als als dritten Teil irgendwie dieser Erfahrung irgendwie auch auch (1) auch dazunehmen weil weil das wie sich dann später irgendwie für mich gezeigt hat so in meinem Leben irgendwie das war immer w- w- wichtig dieser dieser kleine Satz am Ende irgendwie“.
Sebastian sagt, dass er im Nachhinein froh ist, dass diese Erfahung ihn nicht in die Psychiatrie gebracht hat. Deswegen hebt er die Bedeutsamkeit des letzten Teiles hervor. Nicht, dass sie ihn wahnsinnig gemacht hätte, aber er glaubt, er wäre von seinem Umfeld völlig missverstanden worden, wenn er sie mitgeteilt hätte. Insofern war die auditive Warnung am Ende für ihn „die Rettung“. An seinem achtzehnten Geburtstag macht er nochmal eine ähnliche Erfahrung auf einem Musikkonzert. Die Erlebnisse wirken so stark nach, dass er seinen Jugendtraum, Architekt zu werden, aufgibt, und nach seiner Schreinerlehre Psychologie studiert. Das trockene Studium ohne spirituelle Inhalte stürzt ihn dann in eine Sinnkrise, die er durch einen Studienortswechsel und ein Praktikum in einer Klinik, die ein spirituelles Menschenbild hat, meistert. Außerdem macht er eine Ausbildung zum Yogalehrer und beschäftigt sich intensiv mit Zen-Meditation. Jahre seines Lebens hat er mit Lektüre und Recherche verbracht, um die Erlebnisse zu verstehen und eine Sprache für sie zu finden. Sie haben seine persönlichen Interessen und seine berufliche Ausbildung grundlegend beeinflusst. In der Struktur der Erzählung schlagen sich die Ereignisse in einem besonders hohen Theorieanteil nieder, der die Schwierigkeiten, das unbegreifliche Geschehen zu erfassen, widerspeigelt. Besonders hilfreich war für ihn die Erfahrung, einen Meditationslehrer zu finden, der ihm das Gefühl gab, endlich verstanden zu werden, denn die Besonderheit der Erlebnisse trennte ihn auch von seinen Mitmenschen. So hatte er das Gefühl, nach „langen Jahren auf hoher See endlich in einen sicheren Hafen einzulaufen“. Die genaue Analyse seines Lebensverlaufs mit allen Höhen und Tiefen findet sich im vierten Kapitel von „Autobiografie und Ekstase“.

Besuch bei der BASF

Hey ihr V3PO-ler,
Anfang nächster Woche werden wir für zwei Tage zur BASF ins Agrarzentrum fahren. Dort steht uns ein sehr gut ausgestattetes Labor zur Verfügung um eine weitere Versuchsreihe durchzuführen, schließlich wollen wir bis zum Starttermin möglichst gut vorbereitet sein.
Der Starttermin liegt jetzt aktuell im November, dieser kann sich aber auch wieder verschieben.
Wir fiebern der Mission gespannt entgegen und nutzen die zusätzliche Zeit für weitere Forschungsarbeiten.

3. Grabungswoche (KW20)

Liebe Freunde der Kulturlandschaft Spessart,

Diese 3 Grabungswoche (KW20) war beherrscht von 2 großen Themen: Der "Tod" der Theorie von der Niederadelsburg und der Besuch einer
Studentengruppe des Instituts für Geografie und Geologie der Uni Würzburg unter ihrem Seminarleiter Christian Büdel.

Zu Beginn der Woche hatten wir Mauern mit einer Stärke von ca. 1,60 m und einige Maueransätze, die jetzt systematisch freigelegt wurden. Aus jeder Schicht und jedem Schnitt werden Scherben, Knochen, verziegelter Hüttenlehm und Nägel geborgen.

Der Schreibtisch im Bürocontainer quillt über von Funden - alles Becherkacheln eines Kachelofens. Harald Rosmanitz nutzt jede frei Minute, um das Puzzle zu entwirren. Und hat schon die ersten Rekonstruktionserfolge zu verzeichnen. Schöne Teilkeramiken und auch planes grünes Glas wurden gefunden.

Gleichzeitig begann ein Kleinbagger des gemeindlichen Bauhofs im südlichen Burggraben ein Profil auszuheben. Der Burggraben ist mit einem Versturz aus Mauersteinen der Burg gefüllt. Um einen solchen Mauerstein zu bewegen, sind 2 kräftige Männer gerade genug.

Der Burggraben ist in den hier anstehenden Diorit, ein sehr
hartes Ergussgestein (ähnlich Granit), eingearbeitet und hat eine Tiefe von ca. 4-5 m an dieser Stelle. Die Breite haben wir zur Zeit noch nicht feststellen können.

Der Blick auf das Ausgrabungsergebnis dieser Woche zeigt eine ca. 2 m starke Mauer. Nach vorläufiger Meinung von Harald Rosmanitz ist dies eine Umfassungsmauer, die die komplette obere Bergspitze umschließt. Diese Bergspitze ist ein künstliches Produkt, komplett aufgeschüttet aus Materialien, die beim Bau der Burggrabens gewonnen wurden. Auf diese Weise hat man den Bergsporn des Burghügels nochmals gegenüber der Umgebung erhöht.
Von einem Turm, der dort oben gestanden haben könnte, sollte man das komplette Tal überblicken können.

Und jetzt die Schlussfolgerung:
Die hier vorgefundene Burg wurde mit einem extrem hohen Aufwand gebaut. Das Steinmaterial ist weißer Sandstein, der im Umfeld der Burg nicht vorkommt und antransportiert werden musste. Der Burggraben ist in den harten, anstehenden Felsen geschlagen und weist eine enorme Tiefe auf. Der Burghügel selbst wurde künstlich erhöht, die Erhöhung wurde mit einer 2 m starken Mauer gesichert. Die Burg war ganzjährig bewohnt, dafür spricht die Einrichtung eines kostspieligen Kachelofens. Ein Kleinadliger konnte sich diesen Burgbau nicht leisten. Die Meinung der Archäologen geht daher in Richtung der Grafen von Rieneck als Bauherren. Diese Burg war eine massive Machtdemonstration gegenüber dem Landesherrn in Mainz. Da die Funde ins 12. und 13. Jahrhundert datiert werden können, geht man davon aus, das in dem Konflikt zwischen Mainz und Rieneck die Burg vielleicht gegen Ende des 13. Jahrhundert mit militärischen Mitteln zerstört wurde. Brandschichten, die diese These untermauern können, werden immer wieder gefunden.

Von Mittwoch bis Sonntag waren zwischen 6 und 9 Studenten vor Ort, um geomorphologische Untersuchungen des Burghügels und seiner Umgebung einschließlich der Wegesituation - hier speziell die Hohlwege am Birkenberg und oberhalb am Diezenhof - durchzuführen. Es wurden u.a. Bodenproben genommen, Bodenfeuchte gemessen, seismische Untersuchungen durchgeführt und Wege, Wall- und Grabenanlagen kartiert. Die Untersuchungsergebnisse werden eine Weile dauern, wir werden sie zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.

Es gibt noch viel zu tun, jede Hilfe ist uns willkommen. Und ein herzliches Dankeschön an unsere Kuchenspender, die uns bislang mit vielen Genüssen verwöhnt haben.

Mit herzlichen Grüßen aus Waldaschaff

Wolfgang Beyer
1.Vorsitzender Verein für Heimatpflege Waldaschaff e.V.
Hauptkulturwart im Spessartbund
Schönbornstraße 8
63857 Waldaschaff
Tel.: 06095 999463
Mobil: 0151 44345264

2. Grabungswoche (KW19)

Liebe Freunde der Kulturlandschaft Spessart,

nach der weiteren, sehr erfolgreichen 2. Grabungswoche (KW19) mit vielen Schubkarren voller Erde gibt es wieder jede Menge zu berichten.

Die bereits letzte Woche gefundene Mauer wurde weiter freigelegt. Diese Mauer verläuft weiter Richtung Westen. Um den weiteren Verlauf dieser Mauer zu finden, wurde ein bereits vorhandenen Schnitt Richtung Süden erweitert.
Doch dort war diese Mauer offensichtlich abgebrochen.

Die Projektwoche einer Klasse der Grundschule Waldaschaff kündigt sich an: Rektor Brand und Klassenleiter Rüb sind beim vorbereitenden Gespräch mit Grabungsleiter Rosmanitz zu sehen.

Ein erarbeiteter Schnitt wird vom Archäologen David Enders bereits final dokumentiert. Neben der fotografischen Aufnahme muss ein Schnitt auch händisch gezeichnet werden - Maßstabsgerecht!

Im oberen Bereich ein Mauerversturz, darunter sind rötliche Schichten mit verziegeltem Hüttenlehm zu erkennen. Dieser entsteht, wenn ein Fachwerkgebäude abrennt. Der in den Gefachen eingebaute Lehm wird dann wie ein Ziegelstein bei Temperaturen über 1000° C gebrannt. Die dunklen Schichten dazwischen sind Brandschichten mit Holzkohlestücken.

Am Westhang der obersten Burghügelspitze wurden jetzt Grundmauern und Mauern mit einer Breite von ca. 1,60 m entdeckt! Mauern mit dieser Dimension müssen gewaltige Lasten getragen haben. Hier vermuten die Archäologen ein stattliches Bauwerk, eventuell Teile des Palas oder gar einen weiteren Turm?

In diesem Bereich wurden unter anderem keramische Scherben von Gebrauchsgeschirr, Scherben von feinerer Gefäßkeramik, teilweise mit Glasierung oder Bemalung, viele Knochenfunde, teilweise bearbeitetes Hirschgeweih und etliche Glasscherben gefunden. Neben den masseweise entdeckten Becherkachel-Scherben eines Kachelofens sind vor allem die feinere Gefäßkeramik, das bearbeitete Hirschgeweih und die Glasfunde ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Burgherr zu einer wohlhabenden Adelsschicht gehört haben muss. Hirsche durften im Hochmittelalter nur von der Obrigkeit gejagt werden, d.h. von den Landesherren, dem Hochadel etc.. Gehörte der Burgherr sogar zu dieser Bevölkerungsschicht? Oder war er ein Niederadliger mit sehr guten Beziehungen zum Hochadel, dass man ihm die Geweihstangen überließ? Die Glasfunde reichen vom Gefäßglas, z.B. Trinkgläser oder Krüge, bis hin zum Fensterglas. Ein für diese Zeit außergewöhnlicher Fund. Fenster mit Glas waren zu dieser Zeit purer Luxus.

An dieser Stelle einmal ein großes Dankeschön an die Gemeindeverwaltung und den Bauhof, die uns in toller Weise unterstützen und auch kurzfristige Wünsche der Wissenschaftler realisieren.

Bisher wurde die Burg in der Wahlmich, lt. Ortchronist Dr. Dr. Büttner als Wilerburg oder Wilburg bekannt, immer im gleichen Atemzug mit der Ketzelburg in Haibach genannt. Nach Bewertung aller bisherigen Funde und Befunde war unsere Burg aber deutlich massiver und größer ausgeführt. Weiterhin kann man auch von einer längeren Nutzungsphase als bei anderen Burgen des Westspessarts ausgehen. Die Funde werden inzwischen sowohl ins 12. als auch ins 13. Jahrhundert datiert.

Jeder Tag bringt neben Antworten auch wieder neue Fragen. Wir werden sehen, wie viele davon letztlich beantworten werden können. Es bleibt weiterhin spannend.

Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an Ralf Göbel von der Firma Göbel Fahrzeug- und Karosseriebau Aschaffenburg. Er hat uns diese Woche mit 10 Kästen Wasser unterstützt. Vielen Dank.

Mit herzlichen Grüßen aus Waldaschaff

Wolfgang Beyer
1.Vorsitzender Verein für Heimatpflege Waldaschaff e.V.
Hauptkulturwart im Spessartbund
Schönbornstraße 8
63857 Waldaschaff
Tel.: 06095 999463
Mobil: 0151 44345264

In 12 Tagen endet das Crowdfunding

Liebe Freunde und Unterstützer,

nach der langen und manchmal ganz schön anstrengenden Promotionszeit ist es wirklich schön, jetzt auf der Endstrecke so viel Unterstützung zu erfahren. Der Finanzierungsbedarf für den Druck ist schon zu 64% gedeckt und ich möchte mich schon jetzt einmal bei allen Förderern für ihre Unterstützung und ihr Vertrauen bedanken.

Damit das Projekt ein Erfolg wird, muss bis zum Ende der Finanzierungsphase der Betrag vollständig gedeckt sein - sonst verfallen die bereits gesammelten Spenden. Falls noch jemand vorhatte, das Projekt zu unterstützen, aber noch nicht dazu gekommen ist, möchte ich daran erinnern, dass die Finanzierungsphase in 12 Tagen am 30.5. endet. Wenn es Probleme mit der online-Überweisung gibt, wendet Euch bitte an mich.

Alles Gute und bis bald

Moritz Deecke

Pfingstwunder

Abbildung: Fest des Heiligen Geistes, Antwerpener Schnitzaltar, Nikolaikirche Bielfeld, ca. 1524

Pfingsten kam über die frühchristliche Gemeinde der Heilige Geist. Von Jesus war ihnen dieses Ereignis vor seiner Kreuzigung angekündigt und versprochen worden. Wenn man die großkirchlichen Feierlichkeiten in Deutschland heute betrachtet, mag einem kaum noch in den Sinn kommen, dass es sich seinerzeit um ein Ereignis kollektiver Ekstase gehandelt hat: "Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er [der Heilige Geist] setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen." (Apg. 2.3)
Während es für die kleine Schar von Jesus-Anhängern Zeichen höchster Kommunikation und Erwählung war, hatten die Zeitgenossen (wie so oft) wenig Verständnis für das sonderliche Gebahren der Ekstatiker: "Die andern aber hatten's ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins." (Apg. 2.13) Heute wird in in der charismatischen Bewegung im Christentum wieder Anschluss an diese urchristlichen Ereignisse gesucht. Es handelt sich bei dem Pfingstwunder um das Erlebnis einer so genannten affektiven Ekstase (siehe Blogeintrag 3: "Was ist Ekstase überhaupt?").

Ekstase im Atheismus?

Abbildung: Stephen Jourdain (1931-2009)

Die Familie Stephen Jordains zeichnet sich durch eine bemerkenswerte antiklerikale und atheistische Tradition aus. Seine Eltern waren Kämpfer in der Résistance, sein Großvater Frantz Jourdain stellte im "Salon d' Automne" 1905 Maler wie Chagall, Gauguin oder Cézanne aus. Stephens Kindheit verlief unauffällig.

Mit 16 Jahren fällt ihm Descartes' "Ich denke, also bin ich" in die Hände. Der junge Jourdain spürt sofort, dass sich in diesen Worten für ihn etwas Essentielles verbirgt und bemüht sich mit "bemerkenswerter Neigung zur Unvernunft" hinter das Geheimnis zu kommen. Viele Jahre später erfährt er, dass er sich damals an diesen Worten abgearbeitet hat, wie es Zen-Buddhisten an "Koans" tun, paradoxen Rätselsprüchen, deren Lösen mit einer Erleuchtungserfahrung ("kensho") assoziiert wird. "Ich habe die Aussage nicht intellektuell, sondern vital, mit meinem Leben zu begreifen versucht", erzählt Jourdain in einem Interview. Weiter heißt es dort:

"Eine halbe Stunde, eine Stunde habe ich daran gearbeitet, bis zur Erschöpfung. Meine intellektuellen Fähigkeiten schrien um Hilfe. Ich hatte den Eindruck, mich auf blutenden Knien vorwärts zu schleppen und sagte zu mir selbst: ,Du bist verrückt! Gib es auf! In Deinem Zustand hast Du überhaupt keine Chance, in das Mysterium dieser Worte einzudringen ...‘ Und dennoch habe ich weitergemacht, allem gesunden Menschenverstand zum Trotz, und dabei eine bemerkenswerte Neigung zur Unvernunft bewiesen. Es scheint allerdings, daß diese Fähigkeit, sich innerlich wie ein Besessener zu gebärden, auch gewisse Vorzüge hat – denn auf einmal, ganz unverhofft, kam es zum Umkippen. Wie soll ich das Urplötzliche, völlig Übergangslose dieses ,Ereignisses‘ ausdrücken? Ich scheue mich vor dem Wort ,übernatürlich‘, aber das ist das einzige, was zu dieser Plötzlichkeit des Erwachens passen will. Mit nicht in Worte zu fassender Unmittelbarkeit bin ich auf der anderen Seite des Spiegels gelandet und habe mich wiedergefunden, eine endlose Wache inmitten meiner selbst wachend, inmitten dieses Wachens, welches kein Ziel hat, sondern ein zeitloser Akt ist, den ich zu vollbringen wußte."

Als Jourdain versucht, dieses Erlebnis seinem Umfeld zu kommunizieren, reagiert es mit Unverständnis. Enttäuscht gibt Jourdain den Versuch, es mitzuteilen, für Jahrzehnte auf. Erst später, im Laufe seiner sporadischen Schriftstellerei, versucht er wieder ernsthaft, es in Worte zu fassen. An seinem äußeren Auftreten ändert sich trotz der Größe des Geschehens zunächst wenig: im Zentrum seiner Tätigkeiten stehen nach wie vor "Mädchen und café crème". Weil er aber durch das Erlebnis jeglichen intellektuellen und beruflichen Ehrgeiz fast völlig verliert, muss er von der Schule gehen und der verzweifelte Vater steckt den jungen Jourdain in eine Immobilienagentur. Den Beruf des Maklers hat er dann auch jahrzehntelang ausgeübt. Dabei hatte Jourdain jede Menge künstlerisches Talent und hat später neben seiner Berufstätigkeit in der Nouvelle Revue Francaise und Tel Quel veröffentlicht - seinerzeit den Organen der französischen Avantgarde. Auf die biografisch bedeutsame Vernachlässigung seines Talents angesprochen antwortet Jourdain: "c’était un peu dommage. Ich habe ich mir oft gesagt, daß ich meine Zeit vergeude, daß es doch ein wenig schade sei. Es ist immer schade, wenn man etwas widerwillig tut. Ich hätte lieber im Lotto gewonnen. Aber das hat mich nie wirklich gestört. Verstehst Du, wir sprechen hier über eine derartig tiefgreifende persönliche Veränderung […] Als das in mir hervorbrach, konnte als einzige Sorge nur noch die übrig bleiben, dieses Feuer am Brennen zu erhalten. [...] Wenn sich dieses Feuer auch selbst erschafft, bleibt im Anfang nichts anderes zu tun, als es zu unterhalten. Oh, das steht keineswegs im Widerspruch zu café crème, Mädchen und so weiter. Aber es ist unmöglich, für irgendetwas eine wahre Aufmerksamkeit aufzuwenden."

Trotz einer Gefährdung seiner biografischen Entwicklung durch das ekstatische Erlebnis kann Jourdain sich langfristig beruflich etablieren. Sein Umfeld spielt dabei die ambivalente Rolle des Impulsgebers für Entscheidungen bei gleichzeitig frustrierender "Taubheit" gegenüber seinem drängenden Mitteilungsbedürfnis. Aus religionstheoretischer Sicht ist interessant, das Jourdain niemals den atheistischen Ausdrucksrahmen verlässt, da die einzig bekannte Alternative, kirchliches Christentum, für ihn größtenteils mit Dogma und Unterwerfung assoziiert ist. Er gibt zwar eine Ähnlichkeit zwischen seiner Erfahrung und manchen christlichen Glaubensinhalten zu - es ist bei ihm aber nie zu einer Konversion im klassischen Sinne gekommen. Das hebt die Ekstaseerzählung von der Konversionserzählung ab, in der der Wechsel zu einem neuen sozialen und weltanschaulichen Bezugssystem zentral ist. Ekstase kann mit Konversion koinzidieren, ist aber nicht zwangsläufig mit ihr verbunden.

1. Grabungswoche (KW18)

Liebe Freunde unserer Kulturlandschaft Spessart,

die erste Grabungswoche ist fast vorbei. Nach einigen Wirren um unsere Grabungserlaubnis haben wir am Montag unser fernmündliches „Go“ erhalten und sofort den Grabungsbeginn angezeigt. Inzwischen liegt auch die schriftliche Genehmigung vor. Und wir waren fleißig.
Die im Anhang befindlichen Bilder geben einen Überblick über die beiden bereits angelegten, aber bei weitem noch lange nicht fertiggestellten Grabungsschnitte.

• Bild1 zeigt den Blick aus Westen auf die Spitze des Burgbergs. Rechts neben dem Graben liegt das gefundene Versturzmaterial von Mauern aus dem Schnitt. Hier wurden massenweise Scherben von Becherkacheln aus dem 12. Jahrhundert gefunden. Auch die erste Pfeilspitze, die bereits beim Restaurator ist.
• Bild 2: Die erste original gesetzte Mauer. Direkt unterhalb des vermuteten Wohnturms. Vielleicht ein Stützpfeiler?
• Bild 5: Überblick über den weiteren Grabungsschnitt mit Mauerfunden.
• Bild 6: In diesem Teil des Schnittes wurden verstürzte Mauerquader aus Sandstein mit Kantenlängen bis 60 cm gefunden, ein deutlicher Hinweis auf den Turm.

Da wir das gute Wetter ausnützen wollen, werden wir auch am Freitag graben. Wer Zeit hat, ist uns als Grabungshelfer – Verpflegung incl. - herzlich willkommen.
Am Montag oder Dienstag wird uns das Bayr. Fernsehen besuchen. Da wäre es natürlich toll, wenn wir für die Aufnahmen noch zusätzliche helfenden Hände zeigen könnten. Bitte fragt einfach mal in Eurem Verwandten- oder Bekanntenkreis herum, wer Lust auf eine Fernsehkarriere hat. Und keine Angst, wir haben nicht nur Knochenjobs, bei denen nasser Lehmboden aus einem Meter tiefen Loch nach oben befördert werden muss. Es müssen Schnitte gesäubert und Scherben gewaschen werden, etc.. Also macht bitte ein bisschen Werbung für unsere Grabung.

Auf jeden Fall bleibt es weiter spannend.

Mit herzlichen Grüßen aus Waldaschaff

Wolfgang Beyer
1.Vorsitzender Verein für Heimatpflege Waldaschaff e.V.
Hauptkulturwart im Spessartbund
Schönbornstraße 8
63857 Waldaschaff
Tel.: 06095 999463
Mobil: 0151 44345264

Mit 100 in die Finanzierungsphase

Klasse, innerhalb von 15 Tagen haben sich 100 Projektfans hier zusammen gefunden :). Danke!
Damit hat sich das Projekt rasend schnell für die Finanzierungsphase qualifiziert - doppelt so schnell, wie gefordert. Auch hierfür: Danke!
Ab nun sind 60 Tage Zeit das Fundingziel zu erreichen. Ob der Bericht der Studie als pdf-Datei zum Preis einer kleinen Lektüre oder die Einladung zur Präsentation mit der Möglichkeit diverse Fragen zu stellen - für jedes Budget ist hier an Dankeschöns etwas dabei. Wer Interesse hat an der Studie als Proband teilzunehmen, darf sich bei Fragen sehr gern vorab an mich wenden:

info@gundlach-baubiologie.de

Selbstverständlich freue ich mich auch weiterhin über jeden neuen Fan - gemäß der alten Chemikerweisheit: "Viel hilft viel!".

Herzliche Grüße
Swantje Gundlach

Vortragsankündigung

Liebe Unterstützer,

am 17. Mai um 20:00 Uhr halte ich im Ökumenischen Studierendenwohnheim in Heidelberg einen Vortrag zu Thema "Autobiografie und Ekstase aus narratologischer Sicht". Es wird sich dabei um einen lockeren und (hoffentlich!! ;-)) allgemeinverständlichen Beitrag halten. Bei Interesse bitte vorher anmelden.

Liebe Grüße und herzlichen Dank für die viele Unterstützung! Es ist sehr erleichternd, wenn man nach diesem langen und teilweise doch anstrengenden Prozess etwas Rückenwind bekommt.

Moritz Deecke

Aktuelle Presse

Der Bruchmann-Verlag schreibt über das Projekt :)

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