Worum geht es in diesem Projekt?
Wir möchten intuitive und natürliche Körpergesten entwickeln, die berührungslose Arbeit mit digitalen Karten ermöglichen.
Interaktion mit Computern, die sich in Spielekonsolen (XBox + Kinect) bereits durchgesetzt hat, wird immer mehr in den Alltag fließen. Es gibt jetzt schon die ersten Fernseher, die mit Gesten gesteuert werden. Concept Cars werden entwickelt, in denen man nicht mehr nach den Knöpfen des Radios suchen muss, sondern mit einer Fingerdrehung die Lautstärke verändert. Unsere Arbeit zielt auf die Steuerung von raum-zeitlichen Daten ab, wobei die Dimension „Zeit“ die größere Herausforderung ist, weil es dafür noch gar keine intuitiven Gesten gibt.
Stellt euch vor, ihr navigiert mit Hand- und Armbewegungen durch eine Karte und führen dann die Geste zur Veränderung auf der Zeitachse durch. Satellitenbilder oder statistische Daten aus vergangenen Jahren könnten somit sofort angezeigt werden.
Eine solche Geste könnte sich in vielen Alltagssituationen mit gestengesteuerten Geräten durchsetzen, genauso, wie es das Zoomen auf Multi-Touch-Geräten getan hat. Es könnte selbstverständlich sein, sich mit einer bestimmten Handbewegung in einem digitalen Fotoalbum am Fernseher Fotos des Sommerurlaubs von vor 10 Jahren anzeigen zu lassen.
Im Rahmen des Projektes wollen wir nun eine wissenschaftliche und repräsentative Nutzerstudie durchführen, bei der sich die Versuchspersonen Gesten zu verschiedenen Interaktionsschritten überlegen und diese ausführen sollen.
Dabei werden sie gefilmt und wir suchen per Videoanalyse nach ähnlichen Elementen in allen Gesten. Aus diesen können wir dann besonders intuitive Gesten für entsprechende Funktionen (z. B. Zeit verändern) entwickeln. Wir beziehen uns auch auf ein besonders erfolgreiches Verfahren, das für Multi-Touch-Gesten eingeführt wurde (Wobbrock et. al. 2009). Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche und besonders intuitive Geste ist das Zoomen auf Smartphones oder anderen Multi-Touch-Geräten. Sowohl meine Oma (82) als auch meine Tochter (2) kriegen das besonders gut hin… eine Maus können beide nicht bedienen… So etwas wollen wir auch für Tiefensensoren wie die Kinect schaffen, denn man kann annehmen, dass sich diese immer mehr auch im Alltag durchsetzen werden.
Die Software wird nach Fertigstellung unter einer Open Source Lizenz veröffentlicht.
Wobbrock, J. O., Morris, M. R., and Wilson, A. D. (2009): User-defined gestures for surface computing. In: Proceedings of the 27th international conference on Human factors in computing systems, CHI ’09, ACM (New York, NY, USA, 2009), 1083–1092.
Was sind die Ziele und wer die Zielgruppe?
Ziel des Projektes ist die Entwicklung von intuitiven Gesten für die Interaktion mit raum-zeitlichen Daten.
Für die Benutzung solcher Gesten gibt es verschiedene Zielgruppen: auf der einen Seite die „Alltagsnutzer“, denn Gesteninteraktion fließt immer mehr in den Alltag ein. Intuitive Gesten sind dabei sehr wichtig. So braucht man keine Anleitung für neuartige Geräte und Menschen jeden Alters trauen sich auch mit Computern jeder Art zu arbeiten.
Weitere Zielgruppen sind Spezialisten aus verschiedenen Anwendungsgebieten. Ein Beispiel hier wäre eine Feuerwehrleitzentrale einer Großstadt, die ein Katastrophenmanagementsystem mit übergroßem Display betreibt, an dem mehrere Feuerwehrleute die Situation überwachen und auch stets über aktuelle, vergangene und prognostizierte Abläufe informiert werden müssen. Kommt es irgendwo zu einem Brand, könnten mehrere Nutzer gleichzeitig an verschiedenen Stellen in Einsatzkarten arbeiten und sich Vorhersagen über die neue Zeitgeste anzeigen lassen.
Warum sollte man dieses Projekt unterstützen?
Weil wir nur mit eurer Hilfe die Studie durchführen können, um natürliche Gesten für Interaktion mit raum-zeitlichen Daten zu finden. Ihr beeinflusst damit Interaktionsmethoden der Zukunft, die immer mehr in den Alltag einfließen werden. Oder hätte jemand von euch vor 6 Jahren gedacht, dass man heute ganz natürlich mit dem Auseinanderziehen von Daumen und Zeigefinger in Fotos auf dem Smartphone zoomen kann!?
Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?
Die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Studie ist sehr zeitintensiv.
Mit dem Geld können wir eine wissenschaftliche Hilfskraft einstellen (Master-StudentIn), die die Studie von uns begleitet durchführt und eine weitere, die im Anschluss die Gesten entwickelt. So können wir zum Abschluss des Projektes einen laufenden Prototypen präsentieren. Außerdem müssen die Studienteilnehmer für ihre Zeit vergütet werden.